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Geschrieben von: magazin-deutschkand Freitag, den 06. November 2009 um 23:26 Uhr

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Mit ihrer Amazonica-Stiftung will Mascha Kauka den ecuadorianischen Indios ein selbstbestimmtes Leben im Urwald ermög-lichen. Und den Wald vor der Zerstörung bewahren

Von Georg Etscheit

Bei den Shuar heißt sie Yaanúa, bei den Achuar Nunkui und bei den Kichwa Nina Sicha. Fremde, aber wohlklingende Namen, mit denen ihr Indiovölker in Ecuador Ehre und Freundschaft erweisen. Ihr Geburtsname ist Mascha Kauka. Die Münchner Verlegerin, Stifterin, Umweltschützerin und Entwicklungshelferin engagiert sich seit mehr als 25 Jahren für die indianischen Ureinwohner im südamerikanischen Ecuador. Die Menschen des Waldes und ihre Kultur will sie schützen, aber auch den Wald selbst. „Ein lebenswichtiges Thema angesichts des Klimawandels“, sagt Mascha Kauka bei einem Besuch in ihrer Münchner Wohnung.

Weil sie Bildung als Schlüsselthema erkannte, hat Mascha Kauka vergangenes Jahr mitten im ecuadorianischen Regenwald eine Akademie eröffnet. In dem kleinen Dorf Sharamentsa am Ufer des Rio Pastaza, eines Amazonaszuflusses, sowie im 100 Kilometer entfernten Yuwientsa am Fuße der Anden, können die Indios in mehrwöchigen Kursen alles für ein möglichst autarkes Leben im Regenwald erlernen: Fischzucht, Kleintierhaltung, ökologischer Landbau, Umgang mit erneuerbaren Energien, Produktion und Handel für einen „Binnenmarkt“ im Wald. „Wir wollen die Waldindianer fit machen, um den schädlichen Auswirkungen der Zivilisation zu widerstehen. Dann hat auch der Wald eine Chance. Indios sind die besten Waldhüter.“

Mascha Kauka ist eine energische, vor Energie und Lebenslust sprühende Frau. Die 64-jährige hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. Nach ihrem Romanistikstudium in München und Paris arbeitete sie zunächst als Redakteurin im Verlag ihres Vaters Rolf Kauka. Der hatte nach dem zweiten Weltkrieg mit den Comicfiguren Fix & Foxi ein deutsches Pendant zu Walt Disneys Bildergeschichten geschaffen. 1971 gründete sie ihren eigenen Verlag und hatte mit Kochbüchern großen Erfolg. 1980 kam Mascha Kauka bei einer Ecuador-Reise mit ihrem 2004 verstorbenen Mann Uli in Kontakt mit ecuadorianischen Indios. Daraus entwickelte sich die Indio-Hilfe. 2007 gründete sie die Stiftung Amazonica. Ziel der Stiftung ist es, den letzten und größten zusammenhängenden Regenwald der Erde in Kooperation mit den rund 400 in ihm lebenden Indiovölkern für kommende Generationen zu erhalten.

Wie viele indigene Völker stehen auch die Achuar vor großen Herausforderungen, die ihre traditionelle Lebensweise bedrohen. Die Provinzregierung plant Straßen in ihr Territorium beiderseits der peruanisch-ecuadorianischen Grenze, das ihnen mit offiziellem Landtitel gehört, etwa 55000 Quadratkilometer groß ist und von rund 13000 Menschen bewohnt wird. Auf den neuen Verkehrswegen können Ölfirmen und Holzgesellschaften immer weiter vordringen in den Regenwald des ecuadorianischen Amazonasbeckens. Wo sie bereits wüteten, haben sie Wüsten hinterlassen und den Indianern die Lebensgrundlage geraubt. Viele ziehen dann in die Städte, andere flüchten sich in den Alkohol. „Das Land dort ist vergiftet und verwüstet“, sagt Mascha Kauka. „Und die Men-schen sind entwurzelt und haben sich oft ihrem Schicksal ergeben.“

Ein weiteres Problem ist das rasante Bevölkerungswachstum der Indiovölker, das Ergebnis besserer medizinischer Versorgung und eines Rückgangs kriegerischer Auseinandersetzungen. Durch den Bevölkerungsdruck steigt auch der Druck auf die natürlichen Ressourcen des Waldes. Jagdbares Wild wird immer seltener. Die Ernährungs-grundlage der Urwaldbewohner schwindet, was wiederum zur Abwanderung in die Städte führt. Deshalb hilft Mascha Kauka den Indianern, eine lokale Ökonomie aufzubauen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar. So gibt es in mehreren Dörfern Werkstätten zur Herstellung von Maschendraht. Damit können die Indianer ihre Nutztiere wie Schweine, Hühner und Enten einpferchen, die ihnen zusätzlich zur Jagd als Nahrung dienen. Auch eine kleine Ziegelei ist entstanden. In ihr soll das Baumaterial für die Fundamente der geplanten Akademiegebäude hergestellt werden. Die Aufbauten werden, sobald das Geld vorhanden ist, aus Bambus und Hölzern der Region errichtet. Dafür hat der Münchner Designer Markus Heinsdorff Pläne entworfen, in denen er die traditionelle Bauweise der Indios futuristisch weiterentwickelt. Ein kleines Solarkraftwerk steht schon und seit April auch eine Satellitenantenne für Telefon und Internetempfang.

Bislang finden die Kurse der Akademie noch in der alten Sanitätsstation von Sharamentsa statt. Zum Unterricht kommen Handwerker und Dozenten aus den Städten in die Walddörfer. Ein erster, einjähriger Lehrgang für indianische Führungskräfte wurde im Februar 2009 erfolgreich abgeschlossen. Zur Verleihung der Urkunden an die Absolventen reiste sogar der deutsche Botschafter in Ecuador, Christian Berger, in den Urwald. Im Mai begann das erste Seminar für indianische Hotellerie- und Gastronomie-Fachleute, dessen Curriculum in Zusammenarbeit mit der Hochschule München, und der Universität im ecuadorianischen Cuenca erarbeitet wurde. Die Indios sollen alles lernen, was nötig ist, um in ihrer Heimat einmal Gäste aus aller Welt beherbergen zu können. Allerdings keine normalen Touristen, sondern Studenten und Wissenschaftler, die im Wald forschen wollen. „Das Lehrangebot ist zugeschnitten auf das Leben im Urwald. Die Absolventen müssen natürlich nicht alle französischen Weine auswendig lernen“, sagt Mascha Kauka.

Das Potential dieses Wissenschaftstourismus untersuchte die Münchner Tourismus-studentin Heike Schilling in ihrer Diplomarbeit an der Hochschule München. „Diese Form des Tourismus bietet den Waldindianern eine Einkommensquelle innerhalb ihres traditionellen Lebensraumes und steht dabei im Gegensatz zum klassischen Tourismus, der in einem derartigen Umfeld Gefahr läuft, voyeuristische Züge anzunehmen und die Indios zu exotischen Entertainern degra-diert“, erklärt Schilling. Sie war die erste Studentin, die 2008 nach Ecuador flog, um für ihre Abschlussarbeit an der Urwald-Akademie nachhaltigen Tourismus zu studieren. Ende Mai 2009 reiste eine Gruppe von 13 Studierende und sechs Dozenten verschiedener Fakultäten ebenfalls in den Urwald, um dort Feldforschung zu betreiben. Dabei geht es um Themen wie Architektur, Geoinformation, Versorgungstechnik und Ökotourismus. „Wir betreiben Zukunftsentwicklung im Urwald“, sagt Mascha Kauka. „Und zwar nicht nur für die Indianer, sondern für uns alle.“

12.05.09
Quelle:magazin-deutschland.de
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