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Geschrieben von: magazin-deutschkand Samstag, den 07. November 2009 um 12:24 Uhr

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Bei der vierten Station von „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ stand die Transformation im Mittelpunkt

Von Lars Hansen

by DuC

Sigmar Gabriel war von seinem Besuch auf der „Deutsch-Chinesischen Promenade“ in Shenyang sichtlich beeindruckt. Sie habe, sagte der deutsche Minister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, „auf eindringliche Weise sowohl technische als auch gesellschaftspolitische Möglichkeiten aufgezeigt, wie in Zukunft global mit den zur Verfügung stehenden begrenzten natürlichen Ressourcen umgegangen werden muss, um unseren Planeten vor dem Kollaps zu bewahren.“ Vom 21. Mai bis 20. Juni war die Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ in der nordostchinesischen Provinz Liaoning und deren Hauptstadt Shenyang zu Gast. Das Herzstück der Station, die „Deutsch-Chinesische Promenade“, eröffnete die deutsche Ministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan.

Neun Tage lang, vom 12. bis 20. Juni, waren im Zhongshan-Park im Zentrum der 7,5-Millionen-Metropole Shenyang Pavillons aus chinesischem Bambus und modernen Hightech-Stoffen aufgebaut, in denen deutsche Unternehmen, Ministerien, Bundesländer und Institutionen – aber auch die gastgebende Provinz und Stadt – Ideen zur nachhaltigen Gestaltung von Urbanisierungsprozessen, dem Schwerpunktthema der Veranstaltungsreihe, vorstellten. Unternehmer und Politiker, Kulturschaffende und Bürger diskutierten über aktuelle und gesellschaftlich relevante Fragen. Ein facettenreiches Kulturprogramm unter freiem Himmel ermöglichte die Erfahrung von Kunst im öffentlichen Raum. Als ein „Markplatz“, auf dem man Ideen austauscht und miteinander diskutiert, ist die „Deutsch-Chinesische Promenade“ zugleich eine Anregung für den Umgang mit öffentlichen Plätzen in Megastädten.

Warum Liaoning/Shenyang als vierte Station von „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“? Das „chinesische Ruhrgebiet“ ist auf dem Weg zu einer modernen Wirtschaftsregion. Und Deutschland bietet China an, für die aufkommenden Fragen gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Wie lässt sich trotz wegbrechender Industriezweige Massenarbeitslosigkeit verhindern? Was müssen Stadt und Provinz den Bürgern bieten, damit sie sich mit ihrer sich verändernden Umgebung weiterhin identifizieren können? Sollen ausgediente Fabriken und Industrieanlagen abgerissen oder können sie stattdessen sinnvoll umfunktioniert und neu genutzt werden? Nicht zuletzt durch den Transformationsprozess des Wirtschaftsraumes entlang der Ruhr verfügt Deutschland über entsprechendes Know-how.

„Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ will auch dazu beitragen, die Bereiche Kultur und Bildung mehr in den Umgang mit marktwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen einzubinden. Die Shenyanger Lu Xun-Kunstakademie zeigte die Foto-Ausstellung „Plattenbauten und Stadtgedächtnis“ mit Arbeiten des chinesischen Fotografen und Dekans der Abteilung Fotografie der Akademie, Liu Lihong, sowie des Preisträgers des Deutschen Jugendfotopreises, Johann Ludwig Walter, von der Ostkreuz Schule für Fotografie in Berlin. Mit Plattenbauten als Hauptmotiv wurden unter anderem die Themen Kulturwandel, Alltagsleben und Denkmalschutz präsentiert. Beide Fotografen hatten im Vorfeld der Ausstellung das jeweils andere Land besucht: Walter fotografierte einen Monat lang in Shenyang, Liu Lihong in Ostberlin.

Bei einem weiteren Austausch machten Schriftsteller neue Erfahrungen. Der in Shenyang lebende und arbeitende Schriftsteller und Essayist Baoerji Yuan Ye und ein deutscher Kollege skizzierten ihre Erfahrungen literarisch. Baoerji Yuan Ye war Mitte Mai nach Baden-Württemberg gereist. Das Bundesland ist mit der Provinz Liaoning bereits 1986 eine Partnerschaft eingegangen. Beide Regionen pflegen einen aktiven Austausch in den Bereichen Wirtschaft, Umwelt und Ausbildung. Der chinesische Schriftsteller lebte während seines Deutschland-Aufenthalts in der Akademie Schloss Solitude bei Stuttgart, einem 1763/1764 im spätbarocken Stil erbauten Jagdschloss. Solitude will heute den Gedanken einer Akademie für den wissenschaftlichen und künstlerischen Austausch mit dem eines Rückzugsortes verbinden. Diesen Gedanken spürt, wer einen Blick in das Tagebuch Baoerjis auf der Webseite von „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ (www.deutschland-und-china.com) wirft. Der Schriftsteller berichtet über seinen ersten Tag auf Solitude: „Als ich gestern Nachmittag in meinem Zimmer ankam, konnte ich aus dem Fenster eine Wiese sehen, die von Wald umgeben war und auf der unzählige Ringelblumen blühten. Unter dem Apfelbaum unter meinem Fenster standen eine Reihe runder weißer Tische und schwarze Stühle im Freien. In der Ferne war ein kleines weißes Auto unbeholfen im Unterholz geparkt. Versuche ich, vom Fenster aus diese Burg zu betrachten, dann erkenne ich ein dreistöckiges Gebäude, dessen Fenster von außen mit weißen Holzläden gesichert sind. Die äußeren Fenstersimse sind aus Blech und die schwarze Außenwand neigt sich unter den alten roten Ziegeln.“

Zurück zur Politik: Umweltminister Sigmar Gabriel war auf Einladung seines chinesischen Amtskollegen Zhou Shengxian zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation aus dem Umweltbereich auch zu politischen Verhandlungen nach China gekommen. In seinen Gesprächen sei erkennbar geworden, sagte er, dass in China in Bezug auf den Klimaschutz ein Umdenken eingesetzt habe. Gabriel wörtlich: „Man will aktiv dazu beitragen, den Klimawandel aufzuhalten und investiert massiv in Umwelttechnologien. Wir müssen in Deutschland das Tempo erhöhen, wenn wir nicht unsere führende Position bei Umwelttechnologien verlieren wollen.“ Nach dem Eindruck des Ministers liegen die Positionen der deutschen und der chinesischen Regierung zu wichtigen Aspekten der Klimaverhandlungen nah beieinander: „China ist sich seiner Rolle im internationalen Klimaschutz bewusst und geht auch davon aus, dass es sich zu einem bestimmten Zeitpunkt zu Emissionsbegrenzungen verpflichten muss. China ist ganz offensichtlich daran interessiert, dass die Staatengemeinschaft in Kopenhagen zu ambitionierten Ergebnissen kommt und hat mittlerweile auch konzediert, gemeinsam mit den USA größter Treibhausgasemittent zu sein.“ Als wichtigste Eckpunkte der künftigen Zusammenarbeit beider Länder im Umweltschutz sieht der Minister die „intensive Kooperation bei der Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen insbesondere in den Bereichen Chemikalienmanagement, Abwasser und Müll.“ Auch hier kann „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ Beiträge leisten.

„Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ ist die größte deutsche Veranstaltungsreihe im Ausland. Die gemeinsame Schirmherrschaft haben Bundespräsident Horst Köhler und Staatspräsident Hu Jintao. Träger ist das Auswärtige Amt. Kooperationspartner sind der Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (APA), die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ und das Goethe-Institut, das zugleich die Projektleitung übernommen hat. Im Herbst macht die Veranstaltungsreihe in der zentralchinesischen Metropole Wuhan (Provinz Hubei) Station. Höhepunkt wird die Expo 2010 in Shanghai sein.

07.07.09
Quelle: magazin-deutschland.de
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