Diese Website empfehlen:

letzte Kommentare

RSS

Wer ist Online?

Wir haben 109 Gäste online
The next version of Ubuntu is coming soon
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner
Banner

Geschrieben von: LN-Interview Montag, den 22. März 2010 um 00:00 Uhr

Benutzerbewertung: / 7
SchwachPerfekt 
31.lange_wirbtLübeck - Der Bürgerentscheid zum Flughafen wird ein Erfolg, ist Check-In-Chef Nicolaus Lange überzeugt. Die Bürger hätten die überregionale Bedeutung des Airports begriffen.Der Kämpfer für den Flughafen. Lübecker Nachrichten: Seit Jahren kämpft Check-In für den Flughafen. War die Lage schon einmal so verzweifelt? Nicolaus Lange: Wir haben einige Tiefs durchwandert. Aber wir sind nicht verzweifelt, sondern besorgt. Das große Bekenntnis der Bürger ermutigt uns. Wir bekommen auch viele Anrufe und Briefe, in denen wir aufgefordert werden: Macht weiter so. LN: Die Landesregierung hat das Take-Off-Konzept zerpflückt. Die Gegner frohlocken, weil die Zahlen nicht stimmen, und Ryanair wartet einfach ab. Wo ist der Ausweg? Lange: Der wird schon beschritten. Wir haben es mit einer anderen Geschäftsführung zu tun, die sachkundig ist und eine neue Offenheit an den Tag legt.
LN: Die neue Geschäftsführung musste gerade die Zahlen für den Ausbau korrigieren.

Lange: Nein. Das erste Take-Off-Konzept hat die Verwaltung gemacht. Die neue Geschäftsführung hat eine Neubewertung der Zahlen vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung und verschiedener Risiken vorgenommen.

LN: Also ist die Verwaltung an den falschen Zahlen schuld?
Lange: Das müssen Sie den Bürgermeister und die vorherige Geschäftsführung fragen.

LN: Müsste man nicht anständigerweise den Bürgerentscheid stoppen, weil die Unterschriften unter falschen Voraussetzungen geleistet wurden?
Lange: Wir gehen davon aus, dass der Bürgerentscheid weiterhin rechtmäßig ist. Wir lassen das aber gerade durch eine renommierte Verwaltungsrechtskanzlei prüfen. Im Text des Entscheids wird nicht über Zahlen abgestimmt, sondern über den Erhalt und die Weiterentwicklung des Flughafens.

LN: Die Gegner warnen vor einem Millionengrab, wenn der Ausbau kommt. Glauben Sie noch an einen privaten Investor, der alles zum Guten wandelt?
Lange: Ja. Wichtig ist, dass die Bürgerschaft ein deutliches Bekenntnis zum Flughafen ablegt. Das würde den Stein ins Rollen bringen.

LN: Sie sind Geschäftsführer der Kaufmannschaft. Ist es aus Sicht eines Kaufmannes nicht sinnvoller, den Flughafen jetzt abzuwickeln, als noch einmal Millionen hineinzupumpen?
Lange: Auch die Abwicklung ist nicht umsonst, sondern würde deutlich teurer als bislang berechnet. Flughafen ist Infrastruktur wie Bahnhof, Autobahn oder Hafen. Wir müssen den Flughafen fit machen, um ihn an einen Investor weiterzugeben. Die Chance liegt im Weiterbetrieb, das ist die einzige Option.

LN: Gibt es überhaupt einen Markt für Flughäfen?
Lange: Weeze ist ein gutes Beispiel. Nordrhein-Westfalen hat Weeze 3,76 Millionen Anschubfinanzierung überwiesen. Der Kreis Kleve schoss ein Darlehen von 26,5 Millionen Euro zu. Weeze befindet sich jetzt in privater Hand, hat 2,4 Millionen Passagiere und zahlt das Darlehen zurück. Auch der Flughafen Hahn machte 2009 erstmals einen operativen Gewinn in einstelliger Millionenhöhe. Diesen Traum haben wir auch für Lübeck.

LN: Das Land Schleswig-Holstein hält sich vornehm zurück.
Lange: Aber es hat Förderung für Investitionen zugesagt.

LN: Braucht Lübeck überhaupt einen Flughafen, wo Hamburg so nah liegt?
Lange: Ja. Fuhlsbüttel stößt 2014 an seine Kapazitätsgrenzen. Was ist im Norden noch? Kiel ist ein Landeplatz. Jagel ist eine ominöse Diskussion. Kaltenkirchen ist ein Luftschloss. Parchim ist Frachtflughafen. Rostock ist ein schöner Flughafen in einer schwach bevölkerten Ecke. Und wir haben Lübeck mit direkter Anbindung an die Metropolregion Hamburg. Lübeck ist die dritte Startbahn von Fuhlsbüttel. Ich wünsche mir, dass der Hamburger Flughafen sich zu Lübeck mal äußert.

LN: Warum reagiert der Hamburger Flughafen so reserviert?
Lange: Da schlummert die Angst, dass Lübeck eine ernst zu nehmende Konkurrenz werden könnte. Durch die London-Linie wurden Passagierströme aus Hamburg abgezogen.

LN: Kann es daran liegen, dass alle mit dem Billigflieger Ryanair nichts zu tun haben wollen?
Lange: Sicherlich gibt es Neider. Ryanair ist die größte Fluggesellschaft Europas. Ich weiß, dass der Ryanair-Chef Michael O'Leary es gern krachen lässt. Das ist gutes Marketing.

LN: Werden die regionalökonomischen Effekte des Flughafens nicht gnadenlos überschätzt?
Lange: Man kann die Effekte nicht detailliert beziffern. Unternehmen legen Wert auf den Airport. Bei mehr Fluggästen würden sich mehr Unternehmen im Airport-Business-Park ansiedeln. Ganz zu schweigen vom Tourismus. Der Flughafen bringt viele Gäste in den Norden – Briten, Italiener, Spanier, Portugiesen. Wichtig wäre, Süddeutsche an die Ostseeküste zu bringen. Rostock-Laage macht das bereits.

LN: Die Grünen bezweifeln, dass viele Fluggäste wirklich in Lübeck bleiben.
Lange: Natürlich halten sich Touristen nicht an Verwaltungsgrenzen, das muss mal aus den Köpfen der Politiker raus. Aber die Fluggäste bleiben in der Region.

LN: Ryanair hat drei Linien gestrichen, eine ausgedünnt und zwei neu eingerichtet. Damit kommt Blankensee niemals auf die angestrebten eine Million Passagiere.
Lange: Die sehe ich für dieses Jahr auch nicht. Wenn wir nach dem Bürgerentscheid mehr Sicherheit haben, wird Blankensee die Million oder sogar zwei Millionen Fluggäste erreichen. Ryanair betreibt eine unkonventionelle Geschäftspolitik, aber die Fluggesellschaft hat eben auch ein Angebot für Leute, die sich das Fliegen sonst nicht leisten könnten. Der Billigflug, für den nicht nur Ryanair steht, hat den Flugmarkt revolutioniert. Der Lufthansa-Flug nach Mailand kostete vor ein paar Jahren noch über 400 Euro.

LN: Wann beginnt die Kampagne für den Flughafen?
Lange: Das ist zunächst Sache der politischen Parteien. Die Wirtschaft macht keinen Wahlkampf für den Entscheid, sondern kämpft für den Flughafen. IHK und Kaufmannschaft müssen sich unparteiisch verhalten. Wir haben in den LN und überörtlichen Medien Anzeigen geschaltet, dass der Airport nicht geschlossen ist und welche Destinationen von Lübeck aus angeflogen werden. Das hat sich in Lübeck herumgesprochen, aber im Umland noch nicht überall. Als nächstes werden wir Leute zu Wort kommen lassen, die von dem Flughafen profitieren.

LN: Wird der Bürgerentscheid ein Erfolg?
Lange: Das hängt davon ab, wie die Kampagnen der Gegner und der Befürworter wirken. Ich bin aber überzeugt, dass die Bürger sich aufraffen und am 25. April ins Wahllokal kommen und für den Flughafen stimmen werden.

LN: Die nach oben korrigierten Zahlen haben keinen Einfluss?
Lange: Die Korrektur hat uns alle überrascht. Ich glaube aber, dass die neuen Zahlen die Bürger nicht davon abhalten werden, für den Flughafen zu votieren.

Von Kai Dordowsky
Ln-online/lokales vom 22.03.2010 06:45
Foto: Nicolaus Lange lud zum Interview in sein Büro. Für den Fotografen hängte er sogar noch ein störendes Bild ab. Foto: LUTZ ROESSLER
Banner